Angst behandeln: Therapie, Medikamente und Selbsthilfe im Überblick
Angststörungen sind gut behandelbar. Hier bekommst du einen Überblick über die wichtigsten Wege und erfährst, wie du schneller zu einem Termin kommst.
Psychotherapie: meist der erste Schritt
Für die meisten Angststörungen empfehlen die ärztlichen Leitlinien in Deutschland als Behandlung der ersten Wahl eine kognitive Verhaltenstherapie. Sie arbeitet auf zwei Ebenen: Du lernst, angstmachende Gedanken zu überprüfen, und du stellst dich schrittweise den Situationen, die du bisher meidest (Exposition), begleitet von deiner Therapeutin oder deinem Therapeuten. So kann das Gehirn lernen, dass die befürchtete Katastrophe nicht eintritt.
Medikamente
Bei stärkeren Beschwerden kann zusätzlich ein Medikament sinnvoll sein. Eingesetzt werden vor allem bestimmte Antidepressiva (SSRI oder SNRI), die auch bei Angst wirken. Sie müssen ärztlich verordnet und begleitet werden, und die Wirkung setzt meist erst nach einigen Wochen ein. Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine können schnell helfen, machen aber abhängig und kommen deshalb höchstens kurzfristig und mit Vorsicht infrage. Setze Medikamente nie auf eigene Faust ab.
Was du selbst tun kannst
- Bewegung: Regelmäßiger Ausdauersport baut Anspannung ab.
- Schlaf: Feste Zeiten und ein ruhiger Abend helfen dem Nervensystem.
- Koffein und Alkohol reduzieren: Beides kann Unruhe und Herzklopfen verstärken.
- Entspannungsverfahren: Zum Beispiel die progressive Muskelentspannung nach Jacobson, die du in Kursen oder mit Anleitungen lernen kannst.
- Vermeidung schrittweise abbauen: Kleine, machbare Schritte in Situationen, die du meidest. Bei starker Angst am besten mit therapeutischer Begleitung.
- Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen entlastet viele Menschen.
Wie du schneller einen Termin bekommst
Therapieplätze sind knapp, aber es gibt Wege:
- Ruf die Terminservicestelle unter 116 117 an oder nutze 116117.de. Sie vermittelt dir einen Termin in einer psychotherapeutischen Sprechstunde.
- In der Sprechstunde klärt die Therapeutin oder der Therapeut, ob eine Behandlung nötig ist, und empfiehlt dir passende Schritte.
- Frage bei mehreren Praxen nach Wartelisten und Absagen. Das ist normal und kein Zeichen, dass du nicht dringend Hilfe verdienst.
- Deine Hausärztin oder dein Hausarzt kann dich überweisen und die Wartezeit mit dir überbrücken.
Online-Kurse als Ergänzung
Online-Programme und Kurse können zusätzlich zur Behandlung oder in der Wartezeit Wissen und Übungen liefern. Sie sind keine Therapie und ersetzen keine Diagnose. Ein Beispiel ist der Kurs „Der Herr des Geistes“. Was der Anbieter angibt und worauf du achten solltest, steht auf der Startseite (Anzeige).
Hinweis: Dieser Text informiert und ersetzt keine Diagnose, Beratung oder Behandlung durch Ärztinnen, Ärzte oder Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten.
Bei akuter Gefahr, Suizidgedanken oder starken körperlichen Beschwerden: Notruf 112. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar und kostenlos: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Den ärztlichen Bereitschaftsdienst erreichst du unter 116 117.
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Quellen und weiterführende Informationen
- AWMF: S3-Leitlinie „Behandlung von Angststörungen“ (Registernummer 051-028), awmf.org
- Robert Koch-Institut: Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1)
- Terminservicestelle und ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116117.de
- Telefonseelsorge: telefonseelsorge.de
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